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Bieler Lauftage 2024

Fr, 21. Juni 24

Das beruhigende Geräusch kam näher, während ich in der Dunkelheit lief. Schritt für Schritt folgte ich dem Lichtkegel meiner Stirnlampe. War es auf dem Asphalt einer Landstraße, oder auf einem der weißen, staubigen Feldwege, ich kann es im Nachhinein nicht mehr sagen. Der Radfahrer verlangsamte seine Fahrt, es war mein treuer Begleiter Elias, der frische Verpflegung brachte.

Beim 100 Kilometerlauf in Biel sind solche Velo-Coaches zugelassen. Eine wundervolle Sache,
gerade wenn man sich zu ersten Mal über diese Distanz wagt.

Start des Rennens war bei der Tissot Arena um 22 Uhr in der Nacht. Durch die Stadt führte der Lauf hinaus in die Vororte, weiter auf die Feldwege des Seelandes. Sommerliche Stimmung herrschte auf den Gassen, Menschen saßen im Freien, jubelten, klatschten, während wir Läufer*innen noch im großen Pulk dahintrabten. Die Stirnlampen brauchten wir noch nicht, auch die Velobegleitungen waren noch nicht bei uns. Diese warteten im ca. 20 Kilometer entfernten Lyss auf uns.

Gleich zu Beginn fühlte ich mich wie eine lauwarme Portion Pommes neben einem zu großen Batzen angelaufener Mayonnaise. Mir war leicht schlecht, eine Folge der zu ernst gemeinten Aufnahme von Kohlenhydraten in den Stunden davor. Dem Motto: „Den Teufel durch den Beelzebub austreiben.“ folgend, nahm ich stur meine geplanten Einheiten an klebrigem Zucker zu mir. Der Übelkeit war das herzlich egal. Sie blieb stur bei mir. Sie steigerte sich noch, wie ich im Dunkel der Nacht, den anderen irrlichternden Gestalten folgte.

Ablenkung suchend konzentrierte ich mich auf die Zuschauer, auf den Weg vor mir, versuchte zu erraten, welches Getreide auf den Feldern wuchs. Ein Mädchen kam mir in den Sinn, sie hatte mir in der Stadt zugerufen: „Und DU schaffst das!“ Eine klare Ansage, ein stummes Versprechen meinerseits. „Ich schaffe das! Keine zehn Kilometer gelaufen, aber ich schaffe das.
Im Dorf Kappelen war ich mit einem Freund verabredet. Den hatte ich seit über zwanzig Jahre nicht mehr gesehen. Er tauchte vor mir auf, stand da, hatte gewartet. Nebeneinander liefen wir über den Dorfplatz. Für einen Moment stand die Zeit still, ein kurzer Druck der Hände, der Gleichklang der Schritte endete, mein Lauf ging weiter.

An den Verpflegungsstellen fand ich ein Mittel gegen die Übelkeit. Cola, Tee und Orangenschnitze.
Bei Kindergeburtstagen wird auch gegen jede Logik konsumiert. Sie kotzen erst, wenn sie nach Hause müssen. In Lyss standen die Coaches beidseits der Strecke, wachsam bereit. Elias sah mich auf Anhieb. Aufmerksam hatte er gewartet. „Ich bleib im Hintergrund, lauf nur zu!“ Wieder, wie so oft noch in dieser Nacht waren da, die interessierte Zuschauer*innen, engagierte Helfer*innen. Die Bevölkerung macht den Bieler Hunderter zu etwas Einzigartigem. Mir war noch nicht ganz so einzigartig zumute, hatte ich doch einfach damit zu tun im Laufen zu bleiben. Sehr wohl nahm ich Bilder auf,
hörte die Grillen zirpen, ein paar Vögel zwitschern. Ich sah die schönen Brunnen unter großen Bäumen, die ab und zu am Wegesrand auftauchten. Alte Häuser, Bauernhöfe, Gärten, das alles zog an mir vorbei, während ich versuchte aus der bleiernen Hülle zu springen, die mich umklammerte.

Durch das Erzählen, das Beschreiben, blättert die graue Mühe ab, wie der Gummi auf einem Rubbellos. Die Schönheit, die Freiheit, die Gemeinsamkeit, sie kommen zum Vorschein. Mit Bestimmtheit kann ich sagen, dass ich mir nichts schönrede. Es war alles da, nur musste ich mich konzentrieren,
bei der Sache bleiben. Mit jedem Kilometer verging die Übelkeit, die Nacht forderte dafür ihren verlorenen Schlaf. Wäre der Lauf schöner gewesen, ohne der Anstrengungen? Ich denke nicht.
Meine Füße rannten automatisch, in meinem Kopf musste ich arbeiten. Dachte ich zu sehr an ein Bett, so passierte es mir, dass ich wie ein störrisches Vieh anhalten musste. Elias gab mir zu trinken,
ich rief laut in die Nacht: „ONE, TWO, THREE! GO ON!“ Bei Drei lief ich wieder.
Glaubt mir, ich war nicht alleine. Je länger der Lauf dauerte, umso eher machten wir Läufer*innen ein paar verstohlene, langsame Schritte. Meist dann, wenn die Velobegleitung noch an der Labstation „Fläschli“ auffüllte und uns nicht sehen konnte.

Von den vielen Sportler*innen bleibt mir Roger in Erinnerung. Wohl schon länger gleichauf,
fiel er mir mit Tagesanbruch auf. Wir trugen beide dunkelrote Shirts, was die Sache etwas einfacher für mich machte. Wir waren gut in der Zeit, Elias betonte dies und erzählte mir erst nach dem Rennen,
dass es auch mal nicht so gut aussah. Ein echter Coach, nüchtern und sachlich, sich dessen bewusst, dass er mich positiv lenken konnte. Den wunderschönen Samstagmorgen verbrachten wir in guter Stimmung. Den Uferweg unter den Füßen rannte ich am 85 km Schild vorbei. Bei so einem Rennen, darf man schon von Schlusssprint sprechen. Ein Hügel lag noch zwischen uns und der Stadt.
An der Bahnstrecke kam das berühmte 99 km Schild. Bald war die Arena zu sehen.

Zieleinlauf. Hundert Kilometer hinter mir. Einfach genießen, dankbar sein, etwas trinken.
Den Elias umarmen, die Ilse anrufen. Einen Moment lang verträumt dastehen, das Glück spüren,
dem Leben die Hand drücken.

Herzlichen Dank an euch alle, die ihr mich unterstützt und begleitet habt.
Meiner Familie, die mir die Zeit und Vertrauen schenkt.
Allen Sports*freundinnen aus dem LSV Feldkirch für den Zuspruch und die Wertschätzung,
besonders der Klaudia. Sie hat mir sozusagen das Staffelholz in die Hand gegeben und mich mit dem Bieler Fieber angesteckt. Allen Menschen, die mich auf dem Weg nach Biel begleitet haben.
Physio mit Andi, Yoga mit Veronique, Laufschuhberatung bei Martin und Jonas.
Tobias, der mir zu einem tollen Laufgewand verholfen hat und an meine beste Freundin Pamela,
die ein Logo für den Lauf kreierte. Mit meinem Schwager Elias verbindet mich jetzt zusätzlich ein Erlebnis der Sonderklasse.

Aus Vorarlberg waren ebenfalls Läufer*innen dabei. Hier möchte ich Karin Plachy vom Lauftreff Hohenems und Bernhard Allgäuer erwähnen. Mit Karin habe ich im Vorfeld telefoniert, um ein wenig mehr über den Lauf zu erfahren. Sie war schon mehrfach in Biel am Start und lief heuer in einer Zeit von 11:16:01 ins Ziel, Bernhard Allgäuer in 09:51:26. Das bedeutet in der AK Platz 5 und 1. Herzliche Gratulation! Meine Zeit lag bei 09:53:13, Rang 6 in der AK.

www.100km.ch – Homepage der sehr gut organisierten Bieler Lauftage www.datasport.com/live/ranking/?racenr=26114#1_DB7EA8 – Ergebnisse
www.lauftreff-hohenems.at/lauf-is-gsohl/infos - Eine Gelegenheit den Lauftreff Hohenems zu besuchen.

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