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Swisspeaks Trail 360

Do, 13. September 18

Das ist das neue Highlight in der Trailrunnerszene, von dem der Veranstalter selbst behauptet: Une idée folle! Und so ganz unrecht hat er nicht, denn zwischen dem Start in Oberwald am Fuße des Rhonegletschers bis zum Ziel in Le Buveret am Genfer See liegen genau 360 Kilometer mit +25.500 hm/-26.500 hm!

Diese verrückte Idee griffen 327 Läufer aus 28 Nationen auf und bedeutend mehr als "ein wenig" verrückt musste man schon sein, um bei diesem Lauf mitzumachen! Ein Ereignis dieser Größenordnung sprengte auch meine Vorstellung des Machbaren, obwohl ich schon einige längere Bergläufe absolviert habe! Reizvoll war die Idee aber allemal: Singletrails in einer traumhaften Gebirgslandschaft inmitten der majestätischen Viertausender des Wallis. Nachdem ich nach einem Jahr Laufpause heuer wieder fleißig trainiert und im Juli 2018 den Davoser Irontrail, der mit 127 km im Vergleich zum Swisspeaks 360 eher kurz (!) war, gut bewältigt hatte, wuchs meine Zuversicht und ich begab mich mit meinen Mitstreitern am 2.9.2018 in Oberwald/Wallis an den Start. Die ersten 500 m verliefen in der Ebene. Die restlichen 359,5 km gingen entweder extrem steil bergauf oder extrem steil nach unten. Von locker durch die Landschaft traben konnte man beim besten Willen nicht sprechen! Die läuferische Herausforderung bestand darin, dass bei vermeintlich kurzen Distanzen enorme Höhendifferenzen zu bewältigen waren und der aufkommende Frust unterdrückt werden musste, trotz maximalem Einsatz auf der Stelle zu treten.....

"Langstreckenlauf ist die einzige Sportdisziplin, in der Menschen mit der tierischen Konkurrenz gut mithalten können", sagt Robert McNeill von der Uni Leeds. "Für unsere Vorfahren war das eine Frage des Überlebens. Sie erbeuteten ihr Essen, indem sie es müde hetzten. Gefahr drohte nur dem, der sich zwischen den Belastungen keine Erholungspausen gönnte", ergänzt er. Außerdem meint er, ein Ultraläufer zeichne sich durch eine erhöhte Schmerztoleranz aus. In einigen Punkten hat der Wissenschaftler sicher Recht: Ich wollte Tempo machen und ignorierte die Notwendigkeit des Schlafes. Das hat sich gerächt, indem durch mangelnde Konzentration mein Gespür für Orientierung nachließ und ich einige Extrakilometer laufen musste! Wo seine Aussage nicht zutraf: Nicht ich hetzte einer Beute nach, sondern der innere Schweinehund verfolgte mich während der gesamten Strecke! Er hat mich nicht eingeholt, war aber manchmal ganz knapp hinter mir! Auch auf die erhöhte Schmerztoleranz habe ich vergeblich gewartet. Nach den ersten 150 km verzierten unzählige Pflaster meine Füße und Zehen. Und kaum eine Stelle meines Körpers tat nicht weh. Es gab Situationen, in welchen ich über meine physischen und psychischen Grenzen ging und auf Autopilot lief. Nach 360 km und 106,5 Stunden erreichte ich am Donnerstag, 6. September 2018, um 23.30 h als 12. das Ziel in Le Buveret.

Ich habe durch diesen Lauf erfahren, was mein Körper imstande ist zu leisten, wenn eine Zielvorgabe erreicht werden soll. Da zahlt sich aus, wenn man "ein wenig" stur ist! Aber ich habe auch größten Respekt vor jedem Läufer, der sich dieser Herausforderung stellte, obwohl er unterwegs abbrechen musste, denn weit mehr als das halbe Starterfeld DNF.

Werner Balter


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